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Lissabon - No Clash of Civilization

Unten lesen Sie eine Diskussion über das Thema Lissabon - No Clash of Civilization in der Rubrik Plaudern und diskutieren, Teil der Kategorie Sonstiges. Der/die Autor(in) schreibt: Ich bin gerade dabei, meinen Zettelkasten aufzuräumen bzw. vermutlich eher vollends den Durchblick zu verlieren - und habe diese kleinen Improvisationen/Phantasien zum Clash of Civilization wiedergefunden. Vielleicht kann jemand was ...

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Alt 21.06.2010, 12:56   #1
K.P.
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Standard Lissabon - No Clash of Civilization

Ich bin gerade dabei, meinen Zettelkasten aufzuräumen bzw. vermutlich eher vollends den Durchblick zu verlieren - und habe diese kleinen Improvisationen/Phantasien zum Clash of Civilization wiedergefunden. Vielleicht kann jemand was damit anfangen.

Was passiert da eigentlich, wie kann man sich die Szene vorstellen: phönizische Handelsschiffe, wahrscheinlich unterwegs nach Britannien, landen am Tejo. Und was macht das Besondere Lissabons (phönizisch: Alis Ubbo) aus?

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Lissabon - No Clash of Civilization

Man kann sich das gut vorstellen: mit einem Mal tauchen die Händler mit ihren Schiffen auf, nehmen die Ufer in Beschlag und errichten neuen Siedlungen. Gab es Widerstand? Oder das, was man heute mit einer so spekulativen wie dummen Formel einen Clash of Civilization nennt, das Aufeinandertreffen miteinander unvereinbarer Kulturen? Was machen die so genannten Ureinwohner? Sie bleiben wahrscheinlich zunächst auf den Hügeln der Umgebung, betrachteten das Spektakel aus der Ferne.

Spätestens mit der Inbesitznahme des Naturhafens durch die fremden Abenteurer, Beutemacher und Kaufleute dürften sich indigene Sippen auf die umliegenden Hügel zurückgezogen haben. Denn als die Phönizier den Hafen erreichten, traten sie ja nicht auf Neuland, auf unbewohntes Gebiet. Von den auf dem Burghügel lebenden Menschen werden sie mit ihren Schiffen bestaunt wie fremde Wesen. Aber auch zuvor werden ihre Siedlungen weniger am Flussufer als im Schutz der Hügel angelegt worden sein; der Burghügel ist wahrscheinlich einer der am längsten besiedelten Erhebungen Lissabons.

Das kulturelle Gefälle zwischen phönizischen Händlern und indigenen Stämmen kann man sich kaum stark genug vorstellen. Die Einheit des Menschengeschlechts ist ein spätes Resultat kultureller Integration, keine archaische Gewissheit. Die Felszeichnungen in der Höhle von Laja Alta bei Jimena de la Frontera im südlichen Andalusien werden vor diesem Hintergrund als fast panischer Versuch eines apotropäischen Zaubers lesbar, der die fremdem Wesen bannen soll. Nehmen all die Ufos aus Hollywood den Schrecken einer möglichen realen Begegnung mit Außerirdischen vorweg, so hatten die Bewohner am Tejo es tatsächlich mit einer Begegnung der dritten Art zu tun, mit Außerirdischen, Wesen aus einer anderen Welt, keine Götter, dafür werden die Fremden trotz allem zu ähnlich, zu menschlich ausgesehen haben, die mit ihren Schiffen vor Anker gingen. Aber diese Änhlichkeiten werden die Irritation um so radikaler gemacht haben. War Widerstand zwecklos? Das sicher; aber wo immer die abendländische Expansion auch hinführte, sie ist in den meisten Fällen auf Gegenwehr gestoßen, so sinnlos diese von Anfang an gewesen sein mag. Steine und primitive Pfeilspitzen gegen Schwerter, Helme, Schilder, Maschinengewehre, Gas ...

Die Einwohner von Alis Ubbo treiben Handel mit Römern, Phöniziern und Karthagern. An diesem Ort siedeln sich Händler an, keine Krieger, Konflikte lösen sie mit Verträgen, nicht mit Waffen. Sie leben vom Ackerbau, vom Salzabbau und Weinexport, von Fischfang und Viehzucht. Vor allem für seine Pferde war die Küste bekannt, denn ein mächtiger Sturm befruchtet hier die Stuten, die Pfohlen gebären, die schnell als der Wind sind. Aber wahrscheinlich waren die Kaufleute mehr am Fischbestand und am Salz als an Legenden interessiert. So entstehen bald neue Ansiedlungen in Alcácer do Sal, Setúbal und Troia, Sines und, schon weiter im Norden gelegen, Figueira da Foz.

Alis Ubbo wird zu einem Ort, an dem Völker und Kulturen sich begegnen und vermischen. Von Anfang an, seit ihrer phönizischen Gründung, scheint Lissabon durch alle Merkmale einer Stadt charakerisiert zu sein, also ein Ort zu sein, an dem sich das Leben um den Austausch dreht, an dem man sich wenig um bestehende Identitäten kümmert, sondern anderen Menschen aus fernen Ländern und mit fremden Gebräuchen begegnet, mit ihnen redet, Geschäfte macht, gemeinsam Mahlzeiten einnimmt, Geschichten zu hören bekommt und seinen Horizont erweitert. Und diese Geschichte machen bald die Runde in Europa, das gerade zeigen ja die Ora Maritima des Avienus.

Dass ein Ort im juristisch-politischen Sinn keine Stadt ist, schließt ja nicht aus, dass er eine städtische Prägung besitzt. Denn eine Stadt zeichnet sich vor allem durch eine hohe Bevölkerungsdichte aus, durch das Überwiegen des Handels über Landwirtschaft und Ackerbau, durch die Anwesenheit von Fremden und ein gewisse Geschäftigkeit, durch das also, was in der griechischen und später römischen Welt als zivilisiert empfunden wurde. Die Bewohner Britanniens, schreibt der Sizilianer Diodor im 1. Jahrhundert v. Chr., sind „Fremden gegenüber ungemein gastfreundlich und haben auf Grund ihres Umgangs mit Kaufleuten aus anderen Ländern eine zivilisierte Lebensweise angenommen.“

Und im besten Fall vermischt man sich, bleiben Händler aus dem östlichen Mittelmeer oder von der nordafrikanischen Küste, die eigentlich nur auf Durchreise waren, vor Ort. Die einheimische Frauen werden so zu Vermittlern neuer kultureller Praktiken; denn sie sind es, die die Kinder erziehen, sie sind es, die Traditionen annehmen, vermischen, anpassen und weitergeben, fremde Sitten in neuen Umgebungen lebbar machen. In Städten relativieren sich die Weltbilder, müssen auch die Götter auf engem Raum miteinandern auskommen, jeder in seinem Bezirk.

Der Kampf der Kulturen bleibt in Lissabon, im phönizischen Alis Ubbo und im römischen Olisipo, aus. Über die Jahrhunderte scheinen die Bewohner Stadt der Versuchung widerstanden zu haben, kulturelle Prägungen als ideologischen Vorwand für Bürgerkriege oder militärischen Widerstand zu nutzen.

Die flexible Mentalität der vom Handel lebenden Städter begegnet der Parole der Invasoren, aller Widerstand sei zwecklos, in der Zuversicht, dass man in Zukunft schon in Frieden zusammen leben könne; öffnen wir also die Tore der Stadt, um die wilden Krieger zu zivilisieren. So lange wie die Invasoren, die Karthager, die Römer und die Heerscharen der Völkerwanderung, Westgoten, Alanen und Sueben, auf einem Raubzug sind, eher Beute machen wollen als missionieren, so lange sie Stützpunkte für den Handel besetzen und politische Territorien markieren wollen, besteht immer noch die Hoffnung, die Angreifer schließlich zu assimilieren, sie mit dem städtisch, zivilen, bürgerlichen way of life zu verführen, zu dem auch gehört, dass man den Fremden voller Neugierde begegnet und gerne nimmt, was er an kulturellen Errungenschaften zu bieten hat; und in der Stadt ist immer Platz für neue Kulte, die sich gegenseitig neutralisieren. Nicht über neue Götter für die sich immer noch ein Platz im Pantheon findet, staunen die Heiden, sondern über den einzigen Gott.

Wenn die Goten Conimbriga dem Erdboden gleich machen, ist das militärische Strategie, Shock and Awe à la Bush und Rumsfeld, und zugleich derselbe Fanatismus, der Generationen später die Bauern Pol Pots alles Städtische vernichten lässt, aus Angst seiner Verführung zu erliegen. Erst mit der christlichen Reconquista verläuft die militärische Invasion mit einer solchen Grausamkeit, dass jede Verhandlung ausgeschlossen ist, dass allein die ideologisch gebotene Vernichtung des Feindes zählt. Die Ungläubigen müssen vernichtet werden, das ist die Losung, die sich die christlichen Fundamentalisten auf ihre Fahnen geschrieben haben. Der Heilige Sebastian, der Maurentöter, so können wir uns den mittelalterlichen Osama bin Laden in christlicher Rüstung vorstellen. Die jüdischen Gemeinden wissen deswegen, warum sie sich auf die Seite der maurischen Invasoren schlagen. Die Römer unterscheiden zwischen denen, die Steuern zahlen und denen, die keine zahlen; erst die Christen kennen nur noch Gläubige und Ungläubige.
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bauer, gas, gemeinde, geschichte, kind, küste, landwirtschaft, lissabon, pferd, sines, steuern, sturm, tauchen, tradition, troia, waffe, wind

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